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Review: Manufactum II von DFYX

29 Apr 2010
Wow, ich habe es tatsächlich geschafft, schon heute, also einen Tag vor dem offiziellen Release die neue Saltatio Mortis Live CD "Manufactum II" zu ergattern. Zwar ein paar Euro teurer, als woanders, aber das wars auf jeden Fall wert. Ich hab von dem Tag an, als Saltatio Mortis live in Karlsruhe (wurde auch aufgenommen, aber nicht für die CD verwendet) gespielt haben, auf diese CD gewartet und die letzten Tage wurde die Vorfreude auf merkwürdige Weise fast unerträglich. Aber genug geschwafelt, ich will hier ausnahmsweise mal ein kurzes Review schreiben.





1. Merseburger Zauberspruch
Ich hab das Lied jetzt so oft und von so vielen Bands gehört und es gehört schon irgendwie zu den Klassikern der Szene, aber irgendwie denke ich, dass es nicht der richtige Auftakt für so ein Konzert ist. Einfach, weil es so "normal" geworden ist. In meinen Augen fehlt irgendwas, was diese Version von den anderen unterscheidet. Von Aleas Stimme abgesehen könnte die Aufnahme von jeder anderen Mittelalterband stammen. Ich habe zum Vergleich nochmal die instrumentale Version von der ersten Manufactum angehört und ich denke, dass die sich, dadurch, dass sie deutlich kräftiger klingt, besser als Opener eignet. Vielleicht sollte man die beiden Versionen verbinden.

2. Varulven
Varulven war meiner Meinung nach das beste Lied auf Aus der Asche, noch vor Prometheus und dementsprechend fand ich schon beim Konzert die akustische Version sehr toll. Vor allem finde ich, dass sie sich gar nicht so sehr von der Rockversion unterscheidet, weil da ja die Gitarre eher in den Hintergrund tritt. Macht auf jeden Fall alles wett, was der Auftakt nicht ganz geschafft hat. Lediglich diese krächzige Stimme in der Mitte klingt merkwürdig. Eine Notiz am Rande: warum hat sich die Schreibweise von "Varulfen" zu "Varulven" geändert?

3. Dr. Eisenhans
Irgendwie kannte ich das Stück noch gar nicht. War das tatsächlich noch auf keiner CD und wurde auch nicht in Karlsruhe gespielt oder ist es mir nur nie aufgefallen? Jedenfalls ein sehr sehr schönes Instrumentalstück, in dem einfach alles passt. Eingängige Melodie, recht dominante Percussion, davon hätte ich in Zukunft gerne mehr. Obwohl das Stück von Saltatio Mortis selbst stammt, klingt es, als wäre es schon einige hundert Jahre alt.

4. Skudrinka
Knüpft stilistisch quasi nahtlos an Dr. Eisenhans an und dementsprechend gilt hier in etwa das gleiche. Nur, dass es sich dieses Mal tatsächlich um einen Volkstanz handelt. Bei solchen Liedern kommt richtige Marktstimmung auf, selbst daheim.

5. Douce dame jolie
Und direkt noch ein drittes Instrumentalstück hinterher. Nicht ganz so kraftvoll wie die Skudrinka, aber durchaus hörenswert. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es an der falschen Stelle im Programm steht. So kommen jetzt drei Instrumentalstücke hintereinander. Das hätte man mit dem Merseburger Zauberspruch tauschen sollen, auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob da beim Konzert noch Lieder dazwischen waren, die es nicht auf die CD geschafft haben.

6. Dessous le pont de Nantes
Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, zu diesem Stück viel zu schreiben, allein weil es ein Saltatio Mortis Klassiker ist. Schöne Melodie, angenehm schnelles Tempo und eingängiger Text, obwohl er auf Französisch ist. Auf jeden Fall eine gute Wahl, davon eine weitere Liveaufnahme zu veröffentlichen.

7. Equinox
Ich finde, dem Lied merkt man immer noch an, dass es aus der elektrolastigeren Zeit von Saltatio Mortis stammt, selbst in der Akustikversion, die mich im ersten Moment etwas an Subway to Sally erinnert hat. Damit stellt es auf Manufactum II einen leichten Stilbruch dar, der aber zu verschmerzen ist. Laune macht es trotzdem.

8. Prometheus
Ich gestehe, ich kannte letzten Sommer noch nicht den kompletten Text, aber trotzdem war Prometheus auf jeden Fall eines der Highlights des Konzerts. Auf der CD sieht das nicht viel anders aus. Prometheus ist ein tolles Lied, bei dem die meisten Fans mitsingen können, der Text selbst ist in meinen Augen sehr gut gelungen und überhaupt passt das Lied perfekt zu Aleas Stimme. Allerdings hätte die Akustikversion vielleicht einen etwas dominanteren Dudelsack vertragen können.

9. Le Corsaire
Lasterbalk meinte, das Lied wäre einer der Hauptgründe, warum die CD aufgenommen wurde. In meinen Augen zu Recht. Le Corsair musste endlich mal für daheim veröffentlicht werden. Ein tolles Lied zum Mitsingen und mitfeiern, aber leider unter denjenigen Fans, die zum ersten Mal auf einem Saltatio Mortis Akustikkonzert sind, erstmal weitestgehend unbekannt. Ich werde jedenfalls erstmal anfangen, den Text zu lernen, damit ich im August mitsingen kann.

10. Ali Ben
Der Anfang klingt noch sehr orientalisch, was toll rüber kommt, aber leider bricht zwischendurch dann doch wieder der klassische Stil durch. Gegen Ende wird es dann wieder etwas besser. Ich könnte mir das Stück gut in einer überarbeiteten Fassung mit (arabischem?) Text vorstellen.

11. Veitstanz
Und noch ein Instrumentalstück und noch einmal fällt es mir schwer, etwas dazu zu schreiben. Ich bin einfach zu wenig musikalisch versiert, zum auszudrücken, was mir einfällt, wenn ich sowas höre. Deshalb in Kürze: gefällt mir gut.

12. Drunken sailor
Ich bin mir sicher, dass mindestens 95% der Anwesenden den Text konnten. Steht ja selbst in vielen Schulen auf dem Lehrplan. Deshalb und weil wohl so ziemlich jede Band, die auf dem Spectaculum spielt, Drunken Sailor im Programm hat, ist das noch mehr als Le Corsair ein Anlass zum Mitsingen und feiern. Die Interpretation hört sich durch die Dudelsäcke interessant an, bleibt aber trotzdem nahe genug am Original, um vertraut zu wirken.

13. Tulla
Durch das anfangs relativ geringe Tempo im Vergleich zu den anderen Instrumentalstücken ein schöner Kontrast. In der zweiten, gefühlt etwas schnelleren Hälfte kommt zwar langsam dieses "die Instrumentalstücke klingen doch alle gleich" Gefühl auf, aber wirklich störend ist es nicht. Die Fans hatten ihren Spaß und das hört man auch. Das ist die Hauptsache.

14. Palaestinalied
Ich liebe dieses Lied, weil auch noch 800 Jahre später die Stimmung der Kreuzzüge wiedergibt. Damit hat sich Walther von der Vogelweide ein meinen Augen ein Denkmal für die Ewigkeit gesetzt und jede Mittelalterband sollte es irgendwann in ihrer Karriere einmal gespielt haben. Umso schleierhafter ist mir, warum Saltatio Mortis offensichtlich nie den ursprünglichen mittelhochdeutschen Text spielen. Auf Heptessenz und Manufactum II findet sich eine stark gekürzte lateinische Version und auf der ersten Manufactum fehlt der Text komplett. Ansonsten passt aber alles perfekt.

15. Spielmannsschwur
Die Aufnahme wird stark von den Fans getragen und Aleas Gesang tritt eher in den Hintergrund. Damit wirkt es ein wenig, wie sonst das letzte Lied auf einem Livealbum. Da hätte man vielleicht einen besseren Kompromiss finden könnten.

16. Loch Lomond
Ich kriege Gänsehaut von diesem Lied. Also wortwörtlich. Die Stimmen von Alea und William passen so gut zusammen, dass gar keine Instrumente zur Begleitung nötig sind. Ich würde mich freuen, wenn William Saltatio Mortis auch in Zukunft weiter unterstützen würde. Auf jeden Fall werde ich mir die Musik Rapalje mal etwas intensiver anhören.

17. Ecce Gratum
Kein Marktkonzert ohne die Carmina Burana. Mit Ecce Gratum wurde aber ausnahmsweise mal ein im Vergleich zu O Fortuna, In Taberna oder Totus Floreo unbekanntes Lied ausgewählt und ich finde, der frische Wind macht sich da sehr gut. Wenn es jetzt noch ein wenig länger wäre, wäre es ein perfekter Abschluss für die CD.

Gesamteindruck
Obwohl fast alle Lieder ihre kleinen Macken haben, finde ich das Gesamtwerk ausgezeichnet. Man fühlt sich sofort, als wäre man dabei. Wenn jetzt noch ein paar Kleinigkeiten verbessert und ein paar Songs vom letzten Studioalbum (bevorzugt Ebenbild, Das Kalte Herz und Manus Manum Lavat) als Akustikversionen umgesetzt werden, wird der nächste Markt perfekt.

Wertung: 4/5

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